Nein, ich hab mich nicht für einen spontanen Segeltörn entschieden, der erste Mai ist in Korea nämlich sowieso kein Feiertag. Dafür der 5.
(Tag des Kindes); also doch noch ein langes Wochenende.
Nach einem relativ anstrengenden Tag entschloss ich mich gestern, mal wieder einen faulen Abend einzuschalten, mit der Waschmaschine versteht sich (das ist ein anderes Kapitel - ein Wunder
dass sie mir erst zwei T-Shirts ruiniert hat) Das Wasser war plötzlich da, und ich möchte nicht wissen, wie lange schon, es war nämlich schon ziemlich viel. Als ich das Bett zur Seite rückte sah
ich, dass mein ganzer Plunder unter dem Bett schon durchnässt war und in der Brühe schwamm. Es roch nach Seifenlauge. Die ajuma schaute mich entsetzt an, als wäre das meine Schuld. Papa Lee,
seinem Atem an mal wieder von einer Soju-Runde zurück, musste sich dann auf ihren Befehl mit den Gummihandschuhen und Lappen auf den Boden knien und das Wasser abschöpfen. Jaja, zu Hause hat die
Frau das Sagen (wenn auch sonst nicht viel) Meine sehr labile Kleiderstange landete vorerst in der Küche, allerdings fühlte sich da nicht sehr wohl. Meine Anzüge und (gebügelten!) Blusen lagen
bald auf dem Boden verstreut, ebenso wie meine ca. 10 paar Schuhe... Ich hatte nun ziemliche Mühe, die in Asien - und besonders in Korea - geforderte Contenance zu wahren. Immer mehr Leute
standen in der Wohnung, in meinem Zimmer, gestikulierten, telefonierten und schoben mich von links nach rechts. Wie immer war natürlich die Sprache ein riesiges Problem. Zum Glück war noch eine
Kollegin zu Hause, die mir dann erklärte, dass wohl die Wasserleitung, die unter meinem Zimmer verläuft, gebrochen sei. Und heute komme bestimmt niemand mehr. Aber morgen. Ja, hoffen wirs.
Als sich die ganze Aufregung etwas gelegt hatte musste ich dennoch raus, es fiel mir zu schwer, mich zu beherrschen. Das konfuzianische Verständnis von "alt" hat immer recht, weil "jung" keine Ahnung ging mir ziemlich auf die Nerven. Trotz Wasserrohrbruch weiss ich noch immer, wie man Wäsche aufhängt, wo ich meine Schuhe hinstellen und dass ich meine Klamotten nicht in der Küche stehen lassen will, weil ich sonst am nächsten Morgen mit einer Kimchi-Fahne die Arbeitskollegen belästige.letzte Nacht verbrachte ich im Bett der ajuma; die arme musste die Nacht neben dem Soju-Gatten verbringen. Mein Zimmer sieht aus wie eine Baustelle: der Bodenbelag ist teilweise weg, gleichzeitig ist natürlich mein ganzer Kram noch drin... Heute morgen bin ich sogar früher aufgestanden als nötig. Bloss raus und hoffen, dass die Leitung bis heute Abend wieder im Stande ist... Daumendrückend zu Hause angekommen scheint die Welt wieder in Ordnung: kein Wasser mehr in Sicht. Und ich hab sogar eine neue Kleiderstange gekriegt, nachdem sie gestern in der Küche das Zeitliche gesegnet hatte. Kamsahamnida!!! : )